Erasmus in Ispica

Station 2 unseres Erasmus+ Projektes “From the Printed Newspaper to Fake News” von Mauricio Arriaga

Unter dem Motto “From the Printed Newspaper to Fake News“ startete am Sonntag, den 01.03.2026, die Reise unserer kleinen Schülergruppe in Begleitung zweier Lehrkräfte nach Ispica in Sizilien. Genau genommen trafen wir uns bereits um 4:00 Uhr morgens in Hannover, um den Flug um 6:00 Uhr zu erwischen. Doch das frühe Aufstehen lohnte sich, denn nur wenige Stunden später landeten wir bereits am Flughafen in Catania, von wo aus uns ein Minibus weiter nach Ispica brachte. Sofort hatte man das Gefühl, in einem völlig anderen Land zu sein: Palmen und Kakteen prägten die Landschaft, so wie es bei uns Tannenwälder und grüne Wiesen tun. Obwohl die Fahrt eigentlich nicht besonders lang war, fühlte sie sich durch die große Vorfreude fast genauso ausgedehnt an. Als wir schließlich an der Schule ankamen, warteten unsere Gastfamilien bereits auf uns und empfingen uns mit offenen Armen. Nach einer ordentlichen Portion italienischen Essens ging es auch schon fast direkt weiter, denn unsere neuen Freunde, die wir bereits seit ihrem Besuches am Phoenix Gymnasium im vergangenen Dezember kannten, hatten offenbar nicht vor, uns auch nur eine einzige Minute in Sizilien „verschwenden“ zu lassen. Das war atemberaubend.

Mit seiner geschichtsträchtigen Altstadt und einem Hafen, der von einem beeindruckenden Sonnenuntergang beleuchtet wurde, bot die Stadt einen unvergesslichen Anblick. Eine Kuriosität, die ich unbedingt erwähnen muss, war das Eis im Brioche-Brötchen. So ungewöhnlich diese Kombination auch klingt, sie schmeckte überraschend gut – auch wenn es danach deutlich schwerer fiel, anschließend die Pizza zu schaffen. Schließlich ging es zurück zu unseren Gastfamilien, um uns nach der langen Anreise für den nächsten Tag auszuruhen.

Am Montag ging es von der Schule aus mit einem Minibus zum Ätna. Die Fahrt dauerte etwa zwei Stunden, die im nicht klimatisierten Bus schnell so heiß wurden, dass man sich fast wie im Inneren des Vulkans fühlte. Der anstrengende Aufstieg blieb uns jedoch erspart, da uns der Minibus inklusive Touristenführung weit nach oben brachte. Auf dem Weg dorthin kamen wir an zahlreichen verlassenen Häusern vorbei. Diese lassen sich vor allem durch die vulkanische Aktivität und die damit verbundenen Erdbeben erklären, die immer wieder Teile der Umgebung unbewohnbar gemacht haben. Auf etwa 1600 Metern Höhe legten wir eine kurze Pause ein. Dort konnten wir vulkanisch geformte Höhlen besichtigen, die durch Lavaströme entstanden sind: Wenn die äußere Schicht eines Lavastroms abkühlt und erstarrt, während im Inneren die Lava weiterfließt, entstehen sogenannte Lavaröhren. Sobald die flüssige Lava vollständig abgeflossen ist, bleiben tunnelartige Höhlen zurück. Der Ätna selbst ist übrigens einer der aktivsten Vulkane Europas und verändert durch seine regelmäßigen Ausbrüche ständig seine Form und Umgebung.

Anschließend ging es weiter nach oben, wo uns bei etwa 9 Grad Celsius sogar Schnee erwartete. Für uns Deutsche war es ein ziemlich seltsames Gefühl, im Schnee zu stehen und dabei trotzdem nicht wirklich zu frieren.

Oben angekommen konnten wir außerdem kleinere Nebenkrater sehen. Diese sogenannten Neben- oder Schlackenkegel entstehen, wenn bei einem Ausbruch Lava und Gesteinsmaterial aus seitlichen Öffnungen des Vulkans austreten und sich um diese Öffnungen herum ansammeln. So entstehen im Laufe der Zeit viele kleine Krater, die dem Ätna sein charakteristisches, zerklüftetes Aussehen verleihen.

Am Abend waren wir gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern in Rosolini unterwegs – und wow, war das schön dort! Wir besichtigten die Hauptkirche der Stadt, deren beeindruckende Architektur sofort ins Auge fiel. Überhaupt spielt Religion auf Sizilien noch eine deutlich größere Rolle als bei uns: Viele Menschen sind stark im katholischen Glauben verwurzelt, Kirchen sind zentrale Treffpunkte des sozialen Lebens, und religiöse Feste sowie Prozessionen gehören fest zum Alltag vieler Gemeinden. Das spürt man auch in Städten wie Rosolini, wo die Kirche nicht nur ein Gebäude, sondern ein wichtiger Teil der Gemeinschaft ist.

Am nächsten Tag stand die Besichtigung Ispicas auf dem Programm: das Rathaus – dessen Garten sogar für uns völlig unbekannte Früchte beherbergte –, das Stadtzentrum und weitere beeindruckend schöne Kirchen im barocken Stil.

Ein besonderes Highlight ergab sich jedoch ganz unerwartet: Wir wurden von einer Nonne angesprochen, die uns spontan fragte, ob wir das Kloster besichtigen möchten. Diese Gelegenheit stellte sich als echte Ausnahme heraus, denn selbst unsere Gastschülerinnen und Gastschüler sowie einige Lehrkräfte vor Ort waren zuvor noch nie im Inneren des Klosters gewesen. Umso besonderer fühlte es sich an einen Ort betreten zu dürfen, der für viele sonst verschlossen bleibt. Die ruhige, fast abgeschottete Atmosphäre des Klosters stand dabei in starkem Kontrast zum lebendigen Treiben der Stadt draußen und machte den Besuch zu einer einzigartigen Erfahrung, die uns allen lange in Erinnerung bleiben wird. Später waren wir dann in Noto, wo wir erneut beeindruckende Kirchen besichtigten und uns ein richtiges italienisches Gelato gönnten. Das Essen ist definitiv etwas, das ich an Italien jetzt schon vermisse. Mein Austauschpartner hat mir dazu einen Spruch erzählt, der mir besonders gefallen hat: „Wenn du nach Sizilien reist, weinst du drei Mal: einmal, wenn du ankommst und die wunderschöne Landschaft siehst – mit dem Meer und den Stränden auf der einen Seite und den Plantagen und Kakteen auf der anderen. Ein zweites Mal, wenn du dein erstes Arancino probierst. Und ein drittes Mal, wenn du wieder zu Hause auf die Waage steigst.“ Und eigentlich hatte er recht.

Mittwoch war der Tag, an dem wir uns am intensivsten mit dem unserem Projektthema beschäftigten. An diesem Tag interviewten wir eine Journalistin der lokalen Zeitung. Unsere Gruppe nutzte die Gelegenheit außerdem, um nachzufragen, welche Tipps sie uns für den Aufbau einer Schülerzeitung geben könnte und wie man gezielt mit der Verbreitung von Fake News umgehen und diese vermeiden kann. Dabei bekamen wir spannende Einblicke in journalistische Arbeitsweisen, insbesondere in die Bedeutung von Quellenprüfung, sorgfältigem Recherchieren und dem kritischen Umgang mit Informationen. Am Nachmittag fuhren wir nach Pozzallo an den Strand und verbrachten dort gemeinsam Zeit, bevor wir abends essen gingen. Dabei fiel uns eine Besonderheit auf: Auf der Speisekarte stand auch Pferdefleisch. In Sizilien und allgemein in Teilen Süditaliens ist der Verzehr von Pferdefleisch zwar heute nicht alltäglich, hat aber eine lange kulinarische Tradition und ist in manchen Regionen noch immer Bestandteil der lokalen Küche. Historisch wurde es als vergleichsweise günstige Fleischquelle genutzt und findet sich bis heute vereinzelt in traditionellen Gerichten oder Restaurants wieder. Trotz der ungewöhnlichen Vorstellung für uns war es überraschend gut.

Am vorletzten Tag waren wir als Gruppe in Modica, der „Stadt in den Bergen“. Dort besuchten wir eine Schokoladenfabrik, in der wir nicht nur Einblicke in die traditionelle Herstellung bekamen, sondern auch verschiedene Sorten probieren und sogar einige Tafeln mit nach Deutschland nehmen konnten. Anschließend hatten wir etwas Freizeit, um Souvenirs für unsere Familien zu kaufen. Damit näherte sich unsere Reise auch langsam dem Ende. Die letzten Stunden des Tages verbrachten wir gemeinsam mit unseren Gastschülerinnen und Gastschülern bei einem Abschiedsessen, bevor am nächsten Tag bereits die Abreise anstand. Vor unserer Rückfahrt haben wir unsere Ergebnisse des Projekts noch einmal zusammengetragen und waren uns einig, dass dieser Austausch insgesamt eine uns alle sehr bereichernde kulturelle Erfahrung war. Der Abschied fiel entsprechend emotional aus und war für viele von uns sehr bewegend. Doch ehe wir uns versahen, saßen wir bereits wieder im Flugzeug auf dem Rückweg nach Hause.

Wenn ich auf diese Woche zurückblicke, wird mir vor allem eines klar: Wie schnell besondere Momente vorbeiziehen, wenn man sie einfach geschehen lässt, ohne sie wirklich festzuhalten. Carpe Diem – nutze den Tag. Dieser Satz, den wir schon im Unterricht kennengelernt hatten, bekam für mich auf dieser Reise eine ganz neue Bedeutung. Nicht als bloße Redewendung, sondern als Erinnerung daran, bewusst im Moment zu leben. Denn genau das bleibt am Ende: keine perfekten Pläne, keine vollständigen Fotos, sondern das Gefühl, wirklich dort gewesen zu sein. Jeder Moment ist kostbar – auch die unscheinbaren.

Und vielleicht erkennt man ihren Wert erst dann vollständig, wenn sie schon längst Teil der Erinnerung geworden sind.


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